Konzept an sich gut, aber nur bei ausreichender Stabilität- für Traumatisierte komplett ungeeignet
- Pro:
- Kliniklage im Süden Stuttgarts, direkt im Wald; gute Essen; teilweiße die Mitarbeiter der Pflege
- Kontra:
- das Gruppensetting, das nicht für jeden geeignet ist; das gezielte Einschießen auf Patienten
- Krankheitsbild:
- schwere Depressionen
- Privatpatient:
- nein
- Erfahrungsbericht:
-
Nach einiger Zeit an Abstand zu meinem 10- wöchigen Klinikaufenthalt, und einiges an reifer Überlegung, habe ich mich dazu entschlossen, eine Bewertung über meinen Aufenthalt in der Sonnenbergklinik zu verfassen.
Im Nachhinein verstehe das Konzept der Klinik, und den Sinn hinter dem analytischen Blick, und dem Gruppensetting.
Jedoch muss hier ausdrücklich betont, und dringend darauf hingewiesen werden, dass es sich um keine Akutklinik handelt!!!!
Die Klinik ist absolut ungeeignet für Menschen, die ihre Probleme noch nicht ausreichend in ambulanter Therapie aufgearbeitet haben, oder noch schwer traumatisiert sind, etc....
Man muss für diesen Aufenthalt wirklich stabil, und genug gefestigt sein, sowie einiges an therapeutischer Erfahrung mitbringen- ansonsten profitiert man davon nicht, es schadet dann einem massiv!
Das analytische Konzept- was teilweiße als veraltet, und nicht mehr zeitgemäß abgestempelt wird- in Ehren, aber man kann es auch nicht auf alles anwenden, und es ist auch nicht für jeden etwas, und hilft auch nicht jedem.
Nicht umsonst ist dieses Konzept so stark umstritten- meiner Meinung nach, sollte man sich ernst in so eine Behandlung begeben, wenn man innerlich dazu bereit ist, d.h. emotional einigermaßen stabil, und gefestigt, bereit ist an sich zu arbeiten, und sich auch reflektieren kann, und will.
Wenn man noch sehr instabil ist, womöglich in einer Krise, oder ein Trauma kürzlich erlebt hat- kurz, wenn man emotional sehr mitgenommen ist, dann kann ich diese Klinik nicht empfehlen.
Es geht viel eher um das Erkennen von emotionalen Mustern, und Persönlichkeitsstrukturen- nicht um das Aufarbeiten von Traumata o. einschneidenden Erlebnissen, und erst recht nicht um Stabilisierung.
Das muss man sich echt vor Augen führen, ansonsten ist der Aufenthalt wenig hilfsam, wenn nicht sogar schädlich.
Wirklich hilfreich ist es wahrscheinlich nur, wenn man wiederkehrende Beziehungskonflikte hat, oder Bindungsschwierigkeiten; d.h. eher Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Kontext.
Man darf die Klinik auf keinen Fall mit einer Psychiatrie verwechseln, in der man seine Probleme ausschütten kann; d.h. sie auch einfach mal loswerden, oder von der Seele reden kann. Ja, man muss, und kann auch nicht immer alles verändern, und manchmal tut es gut, bei Situationen, die einfach scheiße waren, sich auszukotzen. Das ist in Ordnung.
Man muss nicht alles analysieren, oder aus hunderttausend Blickwinkeln betrachten.


1 Kommentar
Genau: Menschen, die sich wohlfühlen wenn sie vom Therapeuten vor der Gruppe bloß gestellt oder auch beleidigt werden sind hier gut aufgehoben. Wer denkt, dass er seine Probleme besser löst wenn er von der ganzen Gruppe in die Mangel genommen wird bis zum heulen oder weglaufen und dann damit allein gelassen werden will von seinem Therapeuten, der ist hier goldrichtig. Wer mit Rausschmiss bedroht werden will weil er sich nicht öffnet weil sich in so einem Umfeld keiner sicher fühlt: Hier gibts genau das. Diese Klinik ist ein echtes Schnäppchen: Auch wenn Du dreißig Jahre deine Mißbrauchserfahrung für dich behalten hast, ist es sicher total befreiend das unter Druck vor 10 anderen Menschen nochmal im Detail zu erzählen.
Denen die dort waren kann ich nur empfehlen mal die eigene Patientenakte anzufordern: Das ist dein gutes Recht (ChatGPT hilft bei der Formulierung eines Anforderungsschreibens: Nicht vergessen eine Empfangsbestätigung deines Schreibens mit der Zusage die Akte heraus zu geben mit einem Termin in den nächsten X Wochen). Du wirst erstaunt sein ob der Unvollständigkeit derselben. Beleidigungen (tatsächlich durch den Therapeuten stattgefundene Beleidigungen) und auch Drohungen dich zu entlassen fehlen da nämlich. Auch wirst Du erstaunt feststellen können, dass der Therapeut, der auf dem Gang den Mund nicht aufbringt für ein "Hallo" und vor dem Du nichts sagst weil Du dich durch all das total verunsichert fühlst, in seinem Qualitätsbericht (also der Wisch in dem festgehalten wird wie gut die Klinik arbeitet) schreibt, dass es ihm gelungen ist eine gute Theraput/Patient Beziehung mit dir aufzubauen. Falls es dich irritiert weil man dich nachts kontrolliert ob Du auch brav in deinem Bettchen bist (Schullandheimerinnerungen) und Du nach dem Grund fragst wird man dir erklären, dass das dein Kostenträger fordert. Mein Kostenträger hat mir schriftlich bestätigt, dass es keine solche Vereinbarung gibt - gar nicht geben darf: Der Kostenträger darf keinen Einfluß nehmen.
Ja, Du musst dich auch nicht wundern wenn dein Mitpatient Dinge darf (zum Beispiel Therapiestunden entfallen lassen um seine Brille beim Optiker in der Stadt abholen), die Du nicht darfst. In meinem Fall wurde mir verweigert mit meinen Kindern zur Beerdigung ihres Opas zu gehen. Die beiden Vorfälle lagen zwei Wochen ausenander. Auf Nachfrage warum ich nicht gehen dürfe wurde mir erklärt, dass man das dem Kostenträger gegenüber nicht verantworten könne