Ich wurde nach einem Selbstmordversuch in das Krankenhaus eingewiesen.
Den ersten Tag verbrachte ich auf der geschlossenen Abteilung der Aufnahmestation.Dort fiel mir auf,daß das Pflegepersonal mich über den Tagesablauf nicht informierte.Nachdem ein demenzkranker Mann mich in meinem Zimmer mehrfach belästigte,wurde ich auf der offenen Aufnahmestation (ein Stockwerk höher) auf meinen Wunsch hin verlegt.
Hier wurde ich wiederum vom Pflegepersonal über den Tagesablauf (Wecken um 6.30 Uhr,Esszeiten:11 und 17 Uhr,Arztvisiste ab 10 Uhr,Bewegungstherapie im Gebäude C7:9-10 Uhr,Entspannungstherapie um 18 Uhr) nicht informiert und wusste nicht mal,wo mein Zimmer war!
Das Pflegepersonal empfand ich teilweise als distanziert und gleichgültig.
Dieser Eindruck war besonders bei den Ärzten zu spüren,bei der Psychologin ebenso.Die behandlende Ärtzin verhielt sich mir gegenüber auf einer sehr kalten,distanzierten und sogar verachtenden Art!
Ich fühlte mich von ihr bevormundet,unter Druck gesetzt,was den Aufbau eines Vertrauensverhätnisses nicht förderte!
Der erste Arzt,mit der ich die ersten Gespräche hatte,setzte mich sehr unter Druck,um dort eine längere Zeit stationär behandelt zu werden.Als ich den Wunsch äußerte,am gleichen Tag entlassen zu werden ,drohte er mich damit,den Richter zu holen!
Ebenfalls wurde ich von der behandelnden Ärtzin sehr unter Druck gesetzt,um dort für eine 6 bis 8 wöchige Therapie stationär behandelt zu werden.Dieser Druck erzeugte bei mir einen großen Widerstand und führte schliesslich dazu,dass ich gegen ärtzlichen Art am 3.Tag entlassen wurde.
Die Gespräche mit der Psychologin (2 Gespräche in 3 Tagen) empfand ich als sehr hilfreich und aufbauend.
Dafür waren manche Krankenschwester sehr freundlich und nett.Andere dagegen leider sehr kalt und abweisend.
Das Essen war sehr spärlich (ich hatte z.B. in meinem Gulasch genau 2 Stück Fleisch!!!),oft wurde bei anderen Patienten das falsche Gericht serviert und war auch teilweise ungeniessbar.Patienten,die sich beschwerten,erhielten die Antwort,daß sie sich beim Eintragen der Gerichte in der Liste geirrrt haben sollen!
Gegen 13 Uhr wurde dann Gebäcke mit Kaffee und Tee serviert.
Das Gebäude der Aufnahmestation ist ein modernes Gebäude.Sehr hell,sehr schön dekoriert,sehr angenehm.In jedem Zimmer gab es 2 Betten und 1 kleines Bad mit WC und Dusche.Auf Wunsch hin wurden Handtücher vom Pflegepersonal verteilt.
Einziges Manko:keine Rollos im Zimmer und das bei einer kompletten verglasten Südfassade!Ich konnte ab 5 Uhr wegen des Lichts nicht mehr schlafen.Es gibt ein gemeinsames Esszimmer mit Balkon/Terrasse und ein TV-Raum.
Die meisten anderen Gebäude der Anlage sind sehr alt und sehr dunkel.
Das Gelände selber ist aber sehr angenehm.Es besteht aus mehreren einzelnen Gebäuden in einer schönen Parkanlage.Auf dem Gelände befindet sich ein Kiosk,eine Cafeteria (mit Sporthalle),ein Hallenbad (ab Mai geschlossen),ein Tennisplatz,ein Internetcafe (gegen geringe Gebühr in begrenzten Zeiten benutzbar),ein großer Weiher ,wo man im Sommer baden kann.
Sehr wichtig für Mütter mit postpartaler Depression:auf der Abteilung B10 befindet sich eine Mutter-Kind-Station mit 4 Zimmern (1 Bett pro Zimmer).Das Pflege-und Arztpersonal dort ist sehr freundlich und nett.Die Gespräche mit dem Psychiater fand ich sehr hilfreich.Der Psychiater war sehr nett und menschlich.In der ersten Woche gibt es keine Therapiestunden,weshalb die Langweile besonders groß sein kann (einzige Beschäftigungsmöglichkeit:Fernsehen und Spazierengehen!).Leider kümmert sich das Personal in dieser Woche gar nicht um das Kind,was für eine erschöpfte Mutter besonders enttäuschend ist.Das Kind wird nur während Therapiestunden (ab 2.Woche) vom Pflegepersonal betreut.Ich kann über Therapieangebote in dieser Abteilung nicht berichten,da ich die Station nach einer Woche verlassen habe (meine kleine Tochter klammerte sehr und wir konnten beiden wegen der fehlenden Rollos im Schlafzimmer nicht gut schlafen).
Insgesamt kann ich nach diesen 2 kurzen Aufenthalten das Krankenhaus leider nicht empfehlen.
1 Kommentar
„Die würde des Menschen ist unantastbar“
Es ist immer leicht Kritik zu üben….
Menschen mit Demenz sollten im gewohnten Umfeld bleiben dürfen und dort von „nahestehenden“ Personen umsorgt werden. Das ist natürlich nur möglich wenn ein soziales Netz bereit ist, Zeit dafür zu investieren und nicht andere ( Kliniken ) dafür verantwortlich machen.
Ein palliativmediziener schrieb in einem Artikel : was macht eine 90 jährige im Krankenhaus …. Für eine Einweisung ist immer die Zustimmung vom Betroffenen oder Bevollmächtigten nötig….
Darüber sollten wir nachdenken .