Eine verstörende Erfahrung
- Pro:
- Kontra:
- Kommunikation mit Angehörigen und Patientin
- Krankheitsbild:
- Darmkrebs
- Privatpatient:
- nein
- Erfahrungsbericht:
-
Meine Mutter wurde nach einer Reihe von Fehldiagnosen (auch anderer Einrichtungen) mit Darmkrebs im Endstadium in der Onkologie aufgenommen.
Hier wurde sie im 2-Wochen-Takt stationär behandelt. Im Laufe dieser Zeit ging es ihr zunehmend immer schlechter. Im Nachhinein wurde deutlich: Die Nebenwirkungen der Chemo und die Atmosphäre auf der Station waren belastender als der Krebs selbst.
Eine besonders schlimme Situation war, als ich meine Mutter besuchte und sie im Delirium vorfand. Eine anwesende Krankenpflegerin, die ich um Hilfe bat, tat schlicht und einfach nichts, stellte sich nur stumm neben mich und betrachtete meine Mutter, wie sie weggetreten, mit verdrehten Augen im Bett lag und seltsame Armbewegungen machte. Sie ordnete es nicht einmal mit Worten für mich ein, holte auch auf mein Bitten hin keinen Arzt, keine Ärztin. Es war verstörend. Später durch eigene Recherche bin ich darauf gekommen, dass es sich vermutlich um ein sogenanntes "Krankenhaus-Delir" gehandelt haben muss, durch Flüssigkeitsmangel, Nebenwirkungen der Medikamente usw.
Meine Mutter litt stark unter der Behandlung und wünschte sich einen Abbruch, ich habe immer wieder versucht, dies bei der behandelnden Ärztin durchzusetzen, die mir das Gefühl gab, ich würde sie "nerven". Es war sehr schwer, zu der Ärztin durchzudringen, sowohl telefonisch als auch persönlich. Ihre Art zu kommunizieren, mit Angehörigen wie mit der Patientin selbst, war vollkommen frei von Empathie, psychologisch eine Katastrophe. Aus das war verstörend und sehr belastend. Ihr Ausruf mit der seltsamen Formulierung "Sie ist nicht sterbend!!!", 2 Wochen, bevor meine Mutter tatsächlich verstorben ist, hallt immer noch in mir nach. Schließlich weigerte sich meiner Mutter, die Chemo fortzusetzen – ich kann nur erahnen, wie viel Kraft sie das gegen die Widerstände des Fachpersonals gekostet haben muss.
Die Erfahrung hinterlässt ein starkes Gefühl von Hilflosigkeit. Wir wurden komplett alleingelassen in dieser schweren Zeit.

