Für ernsthaft psychosomatisch Erkrankte aufgrund der Betreiberführung nicht geeignet
- Pro:
- Sauber, Tolle Aussicht, Tolle Lage
- Kontra:
- Überforderter Betrieb durch mangelhafte Betreiberführung / strukturelles Versagen des Betreibers
- Krankheitsbild:
- Akute Belastendungsreaktion, Erschöpfung
- Privatpatient:
- nein
- Erfahrungsbericht:
-
Vorweg: Meine Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen das Personal vor Ort, sondern gegen die organisatorischen Zustände und die Betreiberführung der Wessel-Gruppe!
Positiv hervorzuheben sind die wunderschöne Lage, die tolle Aussicht, die sehr saubere Klinik sowie das durchweg herzliche, engagierte und patientenorientierte Personal – von der Reinigung bis zu den wenigen verbliebenen Therapeuten. Den Mitarbeitern kann man nur leidtun, denn sie wirken deutlich überlastet und halten den Betrieb trotz schwieriger Bedingungen aufrecht.
Besonders gravierend: Während meines gesamten Aufenthalts war kein Hausmeister und kein Verwalter vor Ort. Laut Auskunft von Mitarbeitern besteht dieser Zustand bereits seit längerer Zeit. Die Folge zeigte sich drastisch, als am Wochenende kein Heizöl nachbestellt wurde und die Klinik dadurch drei (!!) Tage ohne Heizung und Warmwasser war. Für eine psychosomatische Klinik absolut untragbar.
Weitere strukturelle Probleme:
• deutlicher Personalmangel / nur wenige Therapeuten vor Ort
• teilweise nur 1–2 Anwendungen pro Tag
• Rezeption nur ca. 2 Stunden täglich besetzt
• viel therapiefreie Zeit als Folge des Personalmangels
Zusätzlich herrscht im Haus eine Atmosphäre, die ich für psychosomatisch stark erschöpfte Patienten als ungeeignet empfand:
Es wird offen Alkohol konsumiert, teilweise wird gefeiert, und nachts kommen Mitpatienten lautstark zurück. Durch die feste Tischsitzordnung kann man belastenden Mitpatienten selbst dann kaum ausweichen, wenn man als erschöpfter Patient eigentlich Ruhe und Rückzug benötigen würde.
Wer eine lockere Kur mit viel Freizeit sucht, mag dies anders bewerten.
Wer jedoch ernsthaft psychisch oder körperlich erschöpft ist und eine strukturierte psychosomatische Reha benötigt, ist hier aus meiner Sicht falsch aufgehoben.
Ich habe die Klinik im Wesentlichen so erschöpft verlassen, wie ich sie betreten habe.
Diese Klinik hätte enormes Potenzial – leider wird dieses durch die Betreiberführung verspielt.


1 Kommentar
Ich war im gleichen Zeitraum selbst Patientin vor Ort vom 16.3.26 genau 3 Wochen und kann die geschilderten Zustände leider in weiten Teilen bestätigen.
Auch ich habe die Einrichtung als personell und strukturell massiv überfordert erlebt. Das Personal vor Ort wirkte durchweg bemüht, freundlich und engagiert, arbeitete jedoch erkennbar am Limit. Mein Eindruck war klar: Nicht die Mitarbeitenden vor Ort sind das Problem, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten müssen.
Besonders gravierend war für mich, dass über mehrere Tage weder geheizt wurde noch warmes Wasser zur Verfügung stand, weil offenbar das Heizöl ausgegangen war. Für eine Rehaeinrichtung ist ein solcher Zustand aus meiner Sicht vollkommen inakzeptabel.
Trotz mehrfacher Beschwerden von Patienten erfolgte nach meinem Kenntnisstand keinerlei Reaktion seitens des Betreibers, der Wessel Gruppe. Statt auf die geschilderten Missstände einzugehen, entstand der Eindruck, dass die Probleme ignoriert werden.
Wer eine ernsthafte psychosomatische Reha mit engmaschiger Betreuung, therapeutischer Struktur und geschütztem Rahmen erwartet, sollte wissen, dass dies dort aus meiner Sicht nicht gewährleistet war. Meine Krankenkasse wird sich den Missständen annehmen und ist sehr interessiert an einer Stellungnahme des Betreibers