Nach jahrelanger Therapieresistenz tat sich plötzlich ein kleines Fenster bei meiner psychisch kranken, Nikotin- und Alkohol-kranken Schwester auf, und sie stimmte einer Entgiftung in Marienheide zu. Das war an einem Montag, und wir hatten große Probleme, sie bis zur Aufnahme am Freitag "bei der Stange zu halten".
Die Aufnahme begann mit einer sehr unfreundlichen, wenig hilfsbereiten Dame an der Pforte, die uns erst einmal in ein falsches Gebäude schickte, und das mit Gepäck und einer sehr unfitten Patientin.
In der richtigen Station angekommen warteten wir geschlagene zwei Stunden, bis überhaupt jemand mit meiner Schwester sprach. Das Zimmer war vorher gezeigt worden, ein Azubi hatte sofort meiner Schwester gesagt, dass die jederzeit gehen könnte, was sie auch sofort dankbar aufgriff und ab dann wie ein Mantra ständig vorbrachte.
Nach besagten zwei Stunden erfolgte ein kurzes Arztgespräch. Es gab keinen Arztbrief der überweisenden Hausärztin, ein psychiatrisches Gutachten, das ich mitgebracht hatte, wurde abgelehnt ("wir reden nur im Beisein der Patientin mit Ihnen über sie"), und dann erfolgte bis Montag Morgen nichts, aber auch gar nichts. Die Patientin wurde nicht angesprochen, sie wurde nicht "abgholt", keiner fragte, wie es ihr ginge, sie war nur unter (anderen) Drogen geparkt und ruhig gestellt.
Wir waren jeden Tag da, haben ihr gut zugeredet, aber es half nichts: am Montag wurde zwar noch Labor und EKG gemacht, aber da war es schon zu spät: das "Fenster" war wieder zu, meine Schwester rief ein Taxi und war am Dienstag wieder in einer unhaltbaren Situation mit ihrer 93-jährigen Mutter, aus der es offensichtlich keinen Ausweg gibt.
Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie hier eine (winzige) Chance vertan wurde, und mir am Telefon auch noch auf meine Nachfrage unverschämt geantwortet wurde: "Ich sage Ihnen nix, aber auch gar nix. Die ist drei mal sieben Jahre alt. Die kann machen, was sie will."
Hier entzieht sich eine Klinik mit der Alibi-Behauptung des unantastbaren Patienten-Willens einer Verantwortung auf eine Art und Weise, die man nur als menschenverachtend und skandalös bezeichnen kann.
Wenn man personell unterversorgt ist, warum nimmt man dann Patienten an einem Freitag auf, die sowieso nicht behandelt werden? Es muss doch in den Routine-verseuchtesten Kopf hinein gehen, dass Suchtpatienten "an der Hand genommen" werden müssen und nicht drei Tage lang unter Diazepan einsam durch öde Korridore wandeln.
1 Kommentar
ja, so ist es... hochnäßiges, borniertes Personal!