Medizinische Klinik / Gastroenterologie
(Fortsetzung von meiner Bewertung über das Neu Bethesda (Henriettenstift) Hannover 2006)
27.12.06 – 08.01.07
Ende Dezember 2006 mussten wir meine Mutter (durch die Behandlung im Neu Bethesda Pflegestufe 3) wegen einer Harnwegsentzündung ins Agnes Karll Krankenhaus nach Laatzen bringen.
In der Notaufnahme nahm mich der Arzt zur Seite und sagte mir, dass meine Mutter im Sterben liegt – zum Glück habe ich das meinem Vater nicht erzählt !
Am nächsten Tag lebte sie immer noch und ein äußerst missgelaunter Arzt teilte mir mit, dass meine Mutter nur eine Harnwegsentzündung hätte und dass das jede ältere Frau mal hätte und dass er gar nicht wüsste, warum wir sie ins Krankenhaus gebracht hätten.
Sie „durfte“ aber trotzdem dableiben – leider !
Immer wieder mussten wir feststellen, dass meine Mutter ihre Medikamente nicht regelmäßig bekam. Es handelte sich dabei unter anderem um ein Mittel gegen Krampfanfälle, das sie unbedingt in regelmäßigen Abständen dreimal am Tag bekommen musste. Da auf den Töpfchen jeweils die Uhrzeit stand konnten wir eindeutig feststellen, das z. B. um 17:00 die Portion für 12:00 noch auf dem Nachttisch stand. Und das war fast täglich so. Wenn wir die Schwestern darauf angesprochen haben, sagten sie Sachen wie: Ich habe doch nur zwei Hände. Oder: Wie, hat sie das gar nicht genommen ? (Wie gesagt, meine Mutter hatte Pflegestufe 3 !)
Als ich eine Ärztin darauf ansprach und ihr Beweisfotos zeigen wollte sagte sie wütend: das kann gar nicht sein und rannte weg.
In der Sylvesternacht wurde eine Patientin zu meiner Mutter gelegt, die wirklich jede halbe Stunde auf den Schieber musste – ich fragte die Schwester, ob das etwas ansteckenden ist – sie sagte: dann hätten wir sie ja nicht zu ihrer Mutter gelegt – zwei Tage später hatte meine Mutter (nach den beiden Malen im Neu Bethesda) zum dritten Mal Durchfall durch Clostridien.
Das Resultat: Der dritte Krampfanfall - danach hat sie nie wieder gesprochen.
Ab 08.01.07 durften wir sie dann zuhause pflegen – und sie hatte keinen Krampfanfall mehr. Aber die Bakterien im Urin haben wir nicht mehr wegbekommen – außerdem hatte sie auch durchgehend Husten und Atemnot.
09.04.07 – 03.05.07
Am 09.04.07 mussten wir meine Mutter wieder ins AKK bringen, weil sie sehr schlecht Luft bekam. Nachdem eine junge Ärztin versucht hat mich zu überreden, meine Mutter nicht mehr zu behandeln und sterben zu lassen, durfte sie dann doch auf die Intensivstation.
Sie wurde ein paar Stunden beatmet und konnte dann wieder ausreichend alleine atmen, sie bekam ohne Ende Medikamente:
gegen hohen Blutdruck – obwohl sie immer zu niedrigen Blutdruck hatte
gegen Zucker – obwohl sie noch nie Zucker hatte (später bekam sie Glukose, weil sie total unterzuckert war)
Narkosemittel
Kalium (danach hatte sie einen kurzen Herzstillstand und musste reanimiert werden)
Als ich die Ärzte auf die Medikamente ansprach sagten sie mir: das macht man immer so !?
Nach ca. einer Woche kam sie auf die normale Station – sie war aber überhaupt nicht mehr ansprechbar !
Weil wir das Gefühl hatten, das immer dieselbe Packung Nahrung für die Magensode da hing und wenn überhaupt nur extrem langsam lief fragten wir nach, ob meine Mutter ausreichend ernährt wird. Es wurde gesagt, dass sie das Essen immer wieder ausbrechen würde und in die Lunge bekäme – die Bettnachbarin hatte aber vom Erbrechen nichts bemerkt !
Dann sagten wir Bescheid, dass das Wasser, das an einem Zugang an der Schulter angeschlossen war, nicht richtig läuft. Eine Schwester sagte, dass das nur dafür da ist, um den Zugang frei zu halten.
Nach einer Woche auf der Station schrieb ich eine Beschwerde, weil ich Angst hatte, dass meine Mutter verhungert und verdurstet. Ich gab die Beschwerde dem Assistenzarzt.
Bei einem Anruf bei dem Assistenzarzt sagte der mir, dass er mit mir darüber sprechen müsse, das ginge aber nicht am Telefon. Beim Nächsten persönlichen Gespräch sagte er mir dann: Das mit der künstlichen Ernährung überlegen Sie sich noch mal –
Verhungern ist nicht die übelste Art zu Sterben.
Daraufhin brachte ich noch eine Kopie von der Beschwerde ins Sekretariat - nach einem Gespräch mit einer anderen Ärztin bekam meine Mutter wieder Nahrung und Wasser.
Aber es war leider zu spät – am 03.05.07 wurde meine Mutter zum Sterben nach Hause entlassen, am 07.05.07 ist sie gestorben.
Am selben Tag bekamen wir eine Liste mit den Bakterien, die meine Mutter (wahrscheinlich bereits bei ihrem ersten Aufenthalt) im AKK in die Lunge bekommen hatte:
Staphylococcus aureus (reichlich)
Acinetobacter baumani (mässig)
Enterobacter cloacae (vereinzelt)
Pseudomonas aeruginosa (reichlich)
Klebsiella oxytoca (mässig)
Nachweis von ORSA
Jetzt wussten wir auch, warum sie immer Husten hatte !
Und am 09.05.07 bekamen wir einen Brief vom Beschwerdemanagement des AKK (Untertitel: Zufriedenheit ist unser Ziel) mit der Mitteilung, dass unsere Beschwerde nun in Kürze bearbeitet wird …….
Die Behandlung meiner Mutter bis zu ihrem Tod am 07.05.07 war so haarsträubend, dass ich ein Buch darüber schreiben musste – der Titel ist: „Verhungern ist nicht die übelste Art zu Sterben“. (www Krankenhaushasser de)
2 Kommentare
Ich wünsche Ihnen, dass alles gut geht!