Ich hatte mich, auf Grund der sehr viel versprechenden Selbstdarstellung im Internet und in der zugesandten Infobroschüre, für diese Spezialklinik für Multiple Sklerose entschieden, um die bei mir unklare Diagnose entweder zu widerlegen oder eindeutig zu bestätigen. Mit entscheidend waren dabei folgende Aussagen aus der Infomappe der Marianne - Strauss - Klinik in Berg am Starnberger See:
"...freundliche und mitmenschliche Atmosphäre..." (Seite 1)
"...so freundlich wie die Eingangshalle ist das ganze Haus eingerichtet..." (Seite 5)
"...ein Ambiente, das dem Auge und der Seele wohltut..." (Seite 18)
"...bei uns finden Sie für jeden Wunsch einen freundlichen Ansprechpartner - vom ersten Augenblick an..." (Seite 5)
"...Multiple Sklerose ist eine Krankheit, die viel Ruhe und Gelassenheit erfordert. Diese psychische Stärke zu gewinnen ist ein Teil unserer Therapie..." (Seite 6)
"...eine Zufluchtsstätte in schwerer Zeit, eine lebendige Begegnungsstätte, ein Ort, an den Sie sich gerne erinnern..." (Seite 19)
Beurteilungen sind immer subjektiv, daher kann ich auch nur meine ganz persönlichen Eindrücke schildern, die man sicher nicht verallgemeinern darf: Aus meiner Sicht entspricht keine dieser Aussagen der Realität vor Ort: Von einer freundlichen und mitmenschlichen Atmosphäre keine Spur. An jeder zweiten Tür steht "Zutritt verboten", auch am Stationszimmer, das doch eigentlich eine zentrale Anlaufstelle für die kranken Menschen sein sollte. Die Stimmung sowie das Ambiente auf der Station ist ebenso trostlos wie die Verpflegung, die den Patienten in einem unfreundlichen Speisesaal phantasielos auf schäbigen Tabletts vorgesetzt wird. Und die Cafeteria ist leider auch keine Alternative, es sei denn, man sucht nach Zigaretten. Hier ist das Angebot relativ gut sortiert und auf der Terrasse wird vom frühen Morgen bis in die Nacht geraucht, was das Zeug hält, obwohl sich direkt darüber die Patientenzimmer befinden!
Das wirklich Schlimme jedoch ist der Umgang der Ärzte und Schwestern mit den Patienten, die nicht betreut, sondern verwahrt, verpflegt und verwaltet werden. Jeder findet beim Abendessen eine Liste, wo und zu welcher Zeit er sich am nächsten Tag einzufinden hat. Der Patient wird in die Diagnostik und Therapie in keiner Weise einbezogen, sondern bekommt die Maßnahmen zugeteilt. Die Wünsche und individuellen Bedürfnisse des Einzelnen scheinen dabei kaum eine Rolle zu spielen. Nichts wird vorher abgesprochen, nichts erklärt. Und wie bei 8 oder 10 Terminen am Tag Ruhe und Gelassenheit aufkommen und psychische Stärke gewonnen werden soll, ist mir bis zum heutigen Tag ein Rätsel geblieben.
Was ich für die Klärung meiner Diagnose gebraucht hätte, ist - neben der dort zweifellos vorhandenen medizinischen und personellen Ausstattung - die versprochene "Zufluchtsstätte in schwerer Zeit" mit Fachleuten, die Verständnis für die ganz speziellen Bedürfnisse und Probleme schwer chronisch kranker Menschen haben. Ärzte und Therapeuten, die mir in einer geschützten Atmosphäre und im vertrauensvollen Miteinander die Chance gegeben hätten, mich auch auf unangenehme und bedrohlich klingende Untersuchungen einzulassen, um gemeinsam Klarheit zu schaffen. Über die Diagnose, eine angemessene Behandlung und die damit verbundenen Konsequenzen für mein weiteres Leben. Und genau das habe ich in dieser Klinik, entgegen allen wohl klingenden Versprechungen, leider nicht gefunden.
1 Kommentar
Sehr geehrte Igel9,
wie bereits während Ihres Aufenthaltes mehrfach besprochen, nicht zuletzt auch mit der Stationsärztin, bedauern wir sehr, dass Sie mit dem Aufenthalt nicht völlig zufrieden waren.
Zu unserem Leidwesen lassen sich Bauarbeiten wie die derzeitigen nicht immer vermeiden, sicherlich gilt das für Kliniken auf der ganzen Welt. Wir versuchen aber im Falle einer überhandnehmenden Belastung für den einzelnen Patienten z.B. mit Verlegungen in andere Zimmer Abhilfe zu schaffen. Dies hatten wir Ihnen auch angeboten. In diesem Sinne hatten wir auch die Schutzfolie vor Ihrem Balkon, nicht zuletzt auf Ihre Rückmeldung hin entfernt.
Mit Jalousien meinen Sie sicherlich den Sonnenschutz auf der Terrasse. Die Anlage zur Beschattung kann aus verschiedenen Gründen derzeit nicht ohne einen anwesenden Mitarbeiter genutzt werden, aus unserer Erfahrung sind jedoch die beiden Sonnenschirme, die auch nach 16 Uhr geöffnet sind, in der Regel ausreichend und sogar selten völlig ausgenutzt. Abhängig vom Behandlungspfad, welcher Bedarfsgerecht ausgewählt wird, sind bei Ihnen zwei Einzeltermine in der Physiotherapie pro Aufenthaltswoche und täglich Sportraum vorgesehen gewesen. Leider mussten in Ihrem Fall zu unserem Bedauern während des fünfwöchigen Aufenthaltes zwei Physiotherapie-Termine abgesagt werden und darüber hinaus sind Sie zu drei Terminen im Sportraum nicht erschienen. Wir versuchen solche Engpässe, welche aktuell weiter oft Pandemie-bedingt sind, zu vermeiden und entschuldigen uns hierfür.
Wir bedanken uns sehr für Ihre positive Rückmeldung bezüglich der Qualität unserer ärztlichen Beratungen und der medizinischen und therapeutischen Versorgung.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen,
Martina Wagenknecht
Qualitäts – und Beschwerdemanagement